Aktuelle Wocheninformation

Hier finden Sie den projektbezogenen Bericht zu unserer aktuellen Arbeit.
Hinweise zu nicht erklärten Fachausdrücken finden Sie in unserem Orgelbaulexikon (pdf).


Zum letzten mal geändert am
14.04.2019


Meist am Wochenende erhalten Sie hier neueste Bilder und Informationen über unsere laufenden Projekte. Vielleicht arbeiten wir ja an einem Projekt in Ihrer Nähe, dann besuchen Sie uns doch einmal. Dieses Besuchsangebot versteht sich natürlich auch für unsere Kollegen. Wir haben keine Geheimnisse und fördern den Dialog, um als Ergebnis gute Orgeln zu erhalten. Hinweise zu nicht erklärten Fachausdrücken finden Sie in unserem Orgelbaulexikon.




Evangelische Kirche in Glatten




Orgelprospekt Schäfer-Goll-Orgel in Glatten



Restaurierung der Schäfer-Goll-Orgel (Bj. 1906)



Woche 15



Die letzten Pfeifen werden restauriert und vermessen. Auch das Salicional 8' hat verschiedene Bauformen in sich vereint. Die tiefen 12 Pfeifen sind aus Holz. ...




... Im Diskant wurden sie aus Zinn-Blei-Legierung gebaut. Anfangs noch mit Rollenbärten, später dann mit Kastenbärten. Hier auf dem Foto sieht man den Bauartwechsel.




Im Jahr 1936 wurde ein Motor an die Orgel angebaut. Bis dahin musste das Instrument mit Menschenkraft betrieben werden. Sicher erinnert sich der eine oder andere Glattener Bürger daran, dass er als Konfirmand die Orgel treten musste. Auf dem Bild sieht man die Regeleinheit, welche für den Betrieb der Orgel mit Motor notwendig ist. Das Rollventil reguliert die Zufuhr vom Motor zum Balg. ...




... Auf der Balgseite sind Rückschlagklappen angebracht. Da diese nicht richtig schließen (siehe Bild), kann beim Handbetrieb der Orgel der Wind durch den Motor hinausschleichen. Dabei gibt es zu viel Windverlust und der Balgtreter würde schnell ins Keuchen kommen. Also müssen neue Rückschlagklappen aus Leder eingebaut werden.




Motorseitig sieht das Ganze so aus: Ein Vorhangventil, hier gerade geschlossen, ist an einer mit Blei beschwerten Rolle befestigt. Diese Rolle hat Verbindungsschnüre mit der Balgplatte. Die Situation auf dem Bild zeigt die Ventilstellung bei gefülltem Balg (Motor an, kein Spielbetrieb, folglich kein oder wenig Windverbrauch). ...




... Beginnt man zu spielen, so öffnet sich der Vorhang durch das Absinken der Balgplatte. Wind kann nachströmen. ...




... Diese Stellung gibt es nur bei extremem Windverbrauch, oder wenn die Orgel gerade eingeschaltet wird: Das Ventil ist vollkommen geöffnet.




Der Balg muss saniert werden. Als erstes werden die Balgsteine abgeräumt und ...




... die Balgdeckel abgeschraubt. Nun sieht man ins Innere des Balges. Unten am Boden: Die geschlossenen Fangventile. Weil ja nun kein Wind in der Orgel sein kann, sind die Balgfalten völlig geschlossen.




Das Leder des Balges ist glücklicherweise in sehr gutem Zustand. Die Reparatur des Balges wäre ein recht teurer Posten gewesen. Auffällig aber sind die Balgzwickel (die flexiblen Ecken). Diese sind ganz schwarz, weil durch das Leder Wind verschleichen kann. Also besorgt Gilbert Scharfe rasch ein paar Eier. Das Eiweiß wird vom Eigelb getrennt. Nun werden die Zwickel mit dem Eiweiß eingestrichen, wodurch sie wieder dicht werden. Mit dem übrigen Eigelb macht sich der Orgelbaumeister eine ordentliche Portion Spaghetti Carbonara.




Mittels Streben werden die Balgfalten aufgestellt. Zuvor aber faltet sich Andreas Jung klein zusammen und klettert in den Bauch des Balges. Bei geöffneten Falten werden diese gesäubert und abgedichtet. Am Balgboden gibt es etliche Risse, die Wind nach außen und nach unten in den Schöpfbalg durchlassen. Alle Undichtigkeiten müssen mit Lederstreifen abgedichtet werden. Die am Balgboden befindlichen Fangventile ...




werden abgebürstet und abgesaugt. Das Leder, nun schon 113 Jahre alt, ist noch immer in gutem Zustand.




Das Überdruckventil wird für den händischen Betrieb benötigt. Wenn es ein Balgtreter (Kalkant) einmal zu gut meint zu zu oft pumpt, kann der überschüssige Wind an diesem Ventil austreten, bevor der Balg Schaden nimmt.




36 Osterpäckchen werden gepackt: Die Balgsteine erhalten einen neuen Mantel.




Am Ende wird der Balg wieder zugeschraubt und mit den frisch eingepackten Balgsteinen belegt. Das Gewicht der Steine entspricht etwas mehr als 100 kg. Ohne Steine wäre der Balg durchaus in der Lage, zwei Erwachsene Menschen emporzuheben.




Die stählernen Balgscheren synchronisieren die Balgrahmen. Unten sieht man die Balgclavis, ein langer Hebel, der ...




... durch das Untergehäuse nach außen ragt. Hier hat nun der Balgtreter seine Arbeit zu verrichten.




 Andreas Jung macht beim Säubern unter dem Balg einen interessanten Fund: Die Kerzenhalter von unseren Vorgängern. Anstelle von Akkulampen mussten die armen Tropfe mit Kerzenlicht in der Orgel herumkriechen. Das war sicher eine beschwerliche Sache. Beim Halter ganz links ist sogar noch ein historisches Streichholz übrig geblieben.





Woche 14



Stramm muss am Pfeifenwerk gearbeitet werden. Außer den üblichen Reinigungsarbeiten, sind immer wieder Reparaturen fällig. So wie hier, an dieser Expression. Dies wurde einmal stark eingerissen, dann schlecht verlötet. Nun lässt sich die Pfeife gar nicht mehr richtig stimmen. In einem solchen Fall hilft nur ...




... ein neues Inlay. Dieses hat Andreas Jung mit viel Geduld eingepasst und dann mit ganz feinen Lötnhähten eingelötet.




Bauformen der Holzpfeifen von Flöte 4'




Stück für Stück werden die Register eingebaut und intoniert. Die Orgel klingt wieder. Inzwischen geht es schon an das Echowerk des II. Manuales. Hier gibt es eigentlich zwei Hauptregister. Eines davon ist hier gerade in Arbeit: Das Gemshorn 8'. Auf dem Bild sieht man den nach unten gebogenen Streichbart, der somit ohne klangliche Wirkung ist. ...




... Hier wurde der Bart inzwischen neu geformt. So lässt sich das Register wieder bauzeitlich intonieren.




Die Flauto amabile 8', ein Register nur mit Holzpfeifen, ist in Arbeit. Man kann gut die changierende Bauweise mit vier verschiedenen Formen erkennen. Ein solches Register ist sehr aufwändig zu bauen und erfordert viel Können.




Weil der Stimmgang viel zu eng am Pfeifenwerk liegt, haben fast alle Metallpfeifen im Diskant solche zertretenen Füße. Hierbei muss man mühselig die Fußspitzen öffnen, den Fuß ausformen, um in anschließend wieder einzureiben.




Weil die Pfeifen manchmal etwas außer der Reihe stehen, werden sie nach erfolgter Intonation und Stimmung angeschrieben. Die kleinen gestanzten Schilder aus Pappe wurden mit Tusche handgeschrieben und mit Warmleim angebracht, damit sie reversibel sind.




Das Werk füllt sich. Links im Bild, die Prospektpfeifen, rechts die Holzpfeifen der Flauto amabile 8'.




Nicht vorenthalten möchten wir auch dieses Bild von der Kalkantenglocke. Ein neuer Schlegel wurde an ein Federdrähtchen gegossen. Mit den beiden neu belederten Bälgchen kann man nun vom Spieltisch aus wieder bimmeln, wenn Wind gebraucht wird.





Woche 13



Inzwischen wurden die Registerventile der Manualwindladen wieder eingebaut. Diese befanden sich ja in der Werkstatt, um die verworfenen Kegel abzudrehen. Ein neuer Ventilsitz mit weißem Ventilleder wurde eingebaut.




Alle Pfeifen, auch die im Prospekt, sind abgeräumt! Nun kann das Gehäuse von innen gereinigt werden.




Die Zierkartusche wurde gebürstet und mit mikrokristallinem Wachs konserviert. -Eine wunderschöne Schmiedearbeit.




Als nächstes sind die Windladen der Manualwerke an der Reihe. Gleich beim Prospektrelais tauchen die ersten Ungereimtheiten auf. Am weißen Papier ist eine Reparatur aus vergangenen Tagen erkennbar.




Also wird alles peinlich inspiziert, gereinigt und gangbar gemacht. Auf dem Bild ist die C-Seite des Tonrelais geöffnet. Die Bleirohre für die tiefen Pfeifen des Octav 4' sind auch zu sehen. Sie verschwinden unter der Windlade, um dort ein Prospektrelais zu betreiben. -Ganz schön kompliziert!




Bei der Hauptwerkswindlade sind ebenfalls viele Reparaturstellen zu erkennen.




Die Cs-Seite des Echowerkes hingegen, blieb bisher unberührt.




Geöffnete Registerkanzellen des Echowerkes C-Seite.




Darum ist die Öffnung der Windladen so wichtig: Ein Riss im Kanzellenboden verbindet drei Kegelventile miteinander. Dies würde einen Zusammenstich produzieren. Also muss der Schlitz mit Leder abgedichtet werden.




Nachdem die Windladen saniert sind, kommen die Pfeifen an die Reihe. Hier die tiefe Lage des Principal 8' mit seinen sechs Holzpfeifen. Der Bart steht krumm und schief da, der Kernraum ist stark verschmutzt.




Damit die Pfeifen in die Orgel passen, wurden sie einst gekröpft. Die Platten mit der Verschraubung sind zum Stimmen der Töne da. Mit ihnen werden die Pfeifen verlängert, bzw. gekürzt.




Eine kleine Pfeife im Diskant des Octav 4' hat einen Fußtritt abbekommen. ....




... etliche Dellen zieren den Körper und den Pfeifenfuß, es wurde notdürftig gelötet. Doch Andreas Jung beseitigt diese herben Schäden mit viel Geduld und der entsprechenden Erfahrung.




Bis zum Wochenende stehen die ersten beiden Register wieder auf der Windlade und sind auch bereits intoniert. Die alte Dame bekommt so langsam wieder eine Stimme!





Woche 12



Der Spieltisch drängt immer mal wieder in eine Zwangslage. Hauptsache, der Humor bleibt dabei erhalten.




Die Pedalwindlade wird abgeräumt.




Nachdem die Windstöcke abgenommen worden sind, kommen die Registerkanzellen zum Vorschein. Diese sind zunächst mit Papier verschlossen. Da sich die blaue Papierschicht als bauzeitlich herausgestellt hat, sind die Orgelbauer sicher: Sie sind die Ersten, die die Windladen nach ihrer Herstellung wieder geöffnet haben! ...




... Das ist auch bitte nötig, denn an manchen Stellen gibt es losen Schmutz, der unter die Ventile geraten kann. Oder wie hier: Eine undichte Stelle am Kanzellenrahmen.




Ein Kegelventil musste ausgebaut werden.




Hier hat jemand seine Nägel in einer Winkelbohrung liegen lassen. Ein Glück, dass sie dort verblieben sind. -Mit einem Magneten werden sie herausgeholt.




Die bereits sanierten Registerventile der Pedalwindlade.




Auch die Manualwerke werden abgeräumt. Immer im Nachgang wird gleich mal der schlimmste Schmutz abgesaugt.




Teilgeräumte Manualwindlade.




Im Registerkanal liegen die Registerventile der Manualregister. Die Ventile selber sind bereits ausgebaut und man sieht die Versorgungslöcher. Das umliegende blaue Papier ist lose und lässt Wind durch. ...




... Auch an den Ventilauflagen zeigen sich Risse. Weil diese schwarz sind wissen die Orgelbauer: Hier ist etwas undicht. Kein Wunder, gab es doch immer wieder Registerheulere (Register erklingen, obwohl sie nicht eingeschaltet sind) an der Orgel.




Damit wieder eine Ebene entsteht, muss das lose blaue Papier abgenommen werden und die Stege müssen nachgeleimt und eingeebnet werden.




Ein ausgebautes Registerventil in der Ansicht ...




... von oben gut zu erkennen: Das Vorventil in Form eines Kegelventiles.




... Und hier die ganze Sache von unten. Die Kegelventile haben leider ihre Passung verloren, sie sind oval geworden. Darum werden sie ausgebaut und auf der Drechselmaschine abgedreht.




Im Freien wird das Frühlingswetter zur Pfeifensanierung genutzt. Hier liegen ein paar Töne vom Register Octavbass 8' auf den Böcken.




In den Kirchenbänken werden die Pfeifen zwischengelagert.




Alle Pfeifen sind von den Windladen geräumt. Zurück bleiben die Windstöcke mit den Pfeifenbohrungen.




Viele Schäden sind bei den Holzpfeifen zu beklagen. So wie dieser gerissene Spund vom Subbass 16'.




Parallel zur Restaurierung der Pfeifen, müssen diese für den Restaurierungsbericht vermessen werden. So können künftig Vergleiche zu Pfeifenmensuren anderer Orgeln angestellt werden.




Herr Wiltner von der Firma Elektro Eisele aus Glatten kümmert sich um die korrekte elektrische Verdrahtung der Orgel. Ein neuer Sicherungskasten wird gesetzt und die erforderlichen Versorgungskabel sowie nötige Sicherungen eingezogen. Für die künftige Wartung der Orgel gibt es eine Arbeitsbeleuchtung und am Spieltisch wird Strom für eine neue Noten- und Pedalbeleuchtung verlegt. Wie vom Amt für Denkmalpflege vorgeschrieben, werden sämtliche elektrische Anbauten vom Orgelgehäuse entfernt.




In der heimischen Werkstatt wartet noch zusätzliche Arbeit: Hier eine zerstückelte Stimmplatte. Links davon das Stück, welches angesetzt werden soll.




Weil der Substanzerhalt beim Restaurieren wichtig ist, wird, soweit möglich, kein altes Material weggenommen.




So ähnlich geht es auch bei den Rasterbrettern zu. Etliche sind gerissen oder schon mehrfach geleimt worden. Ganze Teile fehlen. Es mach viel Mühe, aus diesem Puzzle wieder funktionierende Teile zu machen.




Das helle Holz lässt neu hinzugefügte Teile erkennen.




Ein Rasterstöckchen fehlt. Also muss eines nach historischem Muster hergestellt werden. Rechts im Bild das alte Vorbild und links die neue Kopie.




Doch einmal müssen die Orgelbauer passen: Die umgarnte Ringschraube eines Registerventiles ist durchgescheuert und klappert laut. Doch die Mutter von Orgelbauer Scharfe weiß als versierte Handarbeiterin Rat:
(Gilbert Scharfe): "Was ist das für eine Verknotung?"
(Ulla Scharfe): " Das ist nicht geknotet, ganz einfach, das ist gehäkelt". Sie schnappt sich den Haken, um ihn kurz darauf ...




... runderneuert wiederzubringen. Danke an Ulla Scharfe für die schnelle Hilfe.





Woche 11



Wieder in Glatten angekommen, werden alsbald alle pneumatischen Elemente, welche mit in der Werkstatt waren, in die Orgel eingebaut. Im Bild ist eine Relaisstation vom Hauptwerk zu sehen- eine pneumatische Verstärkerschaltung für das Signal vom Spieltisch.




Auch die Membranleisten sind wieder an Ort und Stelle, unter die Windladen geschraubt.




Die Tontraktur der Pedalwindlade.




Der Trakturkanal unter der Pedalklaviatur wird geöffnet. Auch hier finden die Orgelbauer immer wieder einzelne Rohre, die nicht in ihren Verbindungsbohrungen stecken. Also wird alles ...




... fein sauber gemacht und wieder ordentlich verrohrt.




Immer wieder kommt es zu Problemen im Spieltisch. Ein Weichenstock zwingt die Orgelbauer zu unkonventionellen Maßnahmen. Da hilft nur Geduld zu bewahren und auch das eine oder andere Mal wieder die Rohre herauszunehmen und Verbesserungen anzubringen. Die oftmals missliche Lage in der Orgel und am Spieltisch beschert den Orgelbauern bis zum Wochenende ordentlichen Muskelkater.





Woche 10



Diese Woche stand ganz im Zeichen der Werkstattarbeit. Bälgchen, so weit das Auge sieht. Diese hier sind von 1987 und das Leder ist noch gut. Die Form der Falten musste aber verbessert werden. Mit allerlei Tricks und Versuchen, ist es gelungen, die Falten neu einzupressen.




Andere wiederum mussten ganz neu gemacht werden.




Ein größerer Balg für die Registereinschaltung. Auf der Unterseite kam nach dem Ablösen des Papieres eine Inschrift heraus. Dies weckt bei Gilbert Scharfe den Forschergeist. "Register u. Transmissionsbalg Waiblingen": Waren die Erbauer der Glattener Orgel auch einmal in Waiblingen tätig? Wie kommt es zu dieser Inschrift?




So sieht die Innenseite einer Balgfalte eines Registerbalges vor der Verleimung aus. Die Balgspäne aus Hartpappe konnten wieder verwendet werden.




Zwei neu belederte Registerbälgchen mit klar definierten Zwickeln.
In der kommenden Woche kommt für die Orgelbauer die Stunde der Wahrheit: Werden die neu belederten Bälgchen ihre Arbeit gut machen? -Wir werden sehen!





Woche 9



Dieses Bild mit den neu lackierten Prospektpfeifen war noch nachzureichen. Doch ...




... gleich verschwinden die Orgelbauer wieder ins Orgelinnere. Dort wurden von der Windladenunterseite die Membranleisten abmontiert. Aus diesem Grunde sieht man nun von unten die Würtel der Kegelventile. Sie sind mit einem weißen Lederscheibchen garniert. Für jedes Ventil steht oben darüber eine Pfeife auf der Windlade.




Die Relais, sozusagen Verstärkerschaltungen, wurden auch ausgebaut. Hier kann man gut die vielen Schäden durch Notreparaturen erkennen. Kaum ein Bleirohr, das nicht geknickt, abgerissen oder mit Klebeband repariert wurde.




Die Membranleisten mit ihren vielen vielen Keilbälgchen wurden in die Werkstatt transportiert.




Und noch mehr Keilbälgchen befinden sich auf den Relaisstationen.




Die Untersuchung der Bälgchen ergibt drei Bauphasen. Die bauzeitliche mit weiß belederten Bälgchen, eine mit braunem Leder, welches nun aber bereits wieder zu reissen beginnt. Dann noch die jüngste Phase mit ebenfalls braunem Leder auf den Bälgchen. Da diese sich nicht richtig falten ließen, haben die Orgelbauer der letzten größeren Reparatur Bleiklötzchen angebracht. Diese machen die Bewegung der Bälgchen natürlich langsam.




In der Not wurden manchmal sogar die Bälgchen gegen Kissenmembranen getauscht. An diesen Stellen müssen die Balgplatten neu hergestellt werden.




Hier sieht man die schlecht schließenden Bälgchen mit ihren Froschbacken und den daraus resultierenden Bleiklötzen.  ...




... und hier zwei neu belederte Bälgchen.




Zwischendurch erleben die Orgelbauer noch ein Kontrastprogramm: Der Sägewerker hat sich gemeldet, das Rundholz für künftige Projekte ist fertig in Dielen gesägt. Also wird rasch der Anhänger angehängt und es geht auf den Holzplatz.




Diese Weihmouthskiefern werden für Tonventile und Klaviaturen sowie Leichtbauteile benötigt.







Woche 8



Pedalabzugswinkel vor dem Einbau. Beinahe die Hälfte der Abzugsfedern waren gebrochen und mussten neu hergestellt werden. Auf dem Bild erkennt man das heller glänzende Metall.




Stück für Stück werden die Aggregate in den Spieltisch wieder eingebaut und neu verrohrt.




Weil die Übersicht bei Reparaturen sehr schlecht ist, wurden alle Aggregate mit kleinen reversiblen Schildchen versehen. Hierauf ist deren Funktion und -bei versteckten Einbauten- auch noch gleich der Inhalt angeschrieben. Hier im Bild die automatische Pianopedal-Schaltung.




Die restaurierte Konsole gibt wieder ein hübsches Bild ab.





Woche 7



Die Klaviaturen sind wieder zusammengebaut. Der bauzeitliche Charme der Spielkonsole lässt sich mit jedem zugefügten Teil besser erahnen.




Die Tonventile eines Manualstockes mussten aufgrund kaputter Ventilbeläge ausgebaut werden.




Hier sieht man eine Reihe der Ventile. Sie sind bereits neu mit doppeltem Schafsleder belegt.




Mittels dieser Matrix hat der Erbauer der Orgel die festen Kombinationen abgespeichert. Man könnte sagen, dass es sich hierbei um eine Form der Speicherung nach dem Lochkartenprinzip handelt. -Eine Frühform der heutigen Computer. Die Löcher unten im hölzernen Teil geben alle Möglichkeiten der Registerkombinationen frei, welche dann aber über entweder geöffnete- oder geschlossene Lederbeklebung miteinander kombiniert werden konnten.




Ein komplizierter Wechselschaltungsapparat. Dieser beinhaltet eine Wechselschaltung mit pneumatischer Selbsthalteschaltung. An den Begriffen erkennt man den Vorläufer der damaligen Pneumatik, zur heutigen Elektrik. Alle Lager und alle Bälgchen dieses Apparates wurden schon restauriert.




Ein Membranstock, dessen Ledermembran mehrfach gerissen und mit Lederflecken und Papier bereits des öfteren repariert wurde. Im Bild unten liegt schon die neue Ledermembran bereit.




So sieht es unter der Membran aus.




Die Technik der Lederbeklebung wurde vor der Zerlegung exakt studiert, um sie ...




... beim Aufbringen der neuen Membran wieder genauso anzuwenden.




Die beiden Orgelbauer aus Bünzwangen sind beim Zerlegen der Koppelstöcke schockiert: Die kleinen Keilbälgchen, eigentliche Verschleißteile, wurden ohne Demontagemöglichkeit zur Bauzeit der Orgel einfach nur aufgeleimt. Beim Ablösen der Bälgchen zerbrechen daher die unteren Balgplatten.




Dies zieht sich leider quer durch alle Koppelstöcke. Doch dem Restaurator ist es arg, wenn Verluste bauzeitlichen Materials drohen. Also muss für das Problem eine Lösung gefunden werden. ...




... Mittels Dampf und einer Eselsgeduld konnten die alten Bälgchen abgelöst und damit gerettet werden.




Hunderte der porösen Balgfalten mussten mit neuem Leder bezogen werden.




Nach dem Anlegen der Balgfalten wurden die Balgplatten zusammengepresst, damit sich die Form der Falten nicht mehr verändert.




Weil die Filzgarnierungen von Motten zerfressen waren, mussten diese auch noch ausgetauscht werden. Unter den Bälgchen ist nun ein blaues Papier zu erkennen. Dieses wurde aufgebracht, um in vielen Jahren, bei der nächsten Restaurierung, späteren Orgelbauergenerationen den neuerlichen Tausch der Bälgchen zu ermöglichen. Mit einem breiten Stecheisen können die Balgplatten nun ganz einfach demontiert werden.




Ein fertig montierter Koppelstock mit der Koppelstange als Gewicht. Diese blockiert die Bälgchen bei ausgeschalteter Koppel. Über eine Mechanik wird diese Stange mit einem Arbeitsbalg verbunden, welcher beim Einschalten der Koppel die Koppelstange von den Bälgchen abhebt, damit diese arbeiten können.





Woche 6



In der heimischen Werkstatt liegen nun einige Ausbauten der Glattener Orgel. Das meiste stammt aus dem Spieltisch. So auch diese Pedalabzugswinkel hier. Bei etwa einem Drittel dieser Winkel ist deren Angriffsfeder gebrochen. Daher mussten hier die Pedaltasten beim Spielen extrem weit durchgedrückt werden, bis endlich der Ton zu hören war. Im Bild sieht man einen bauzeitlichen Winkel (oben) und einen restaurierten (unten). Dieser hat eine neue Feder erhalten und zudem neue Tuchungen in den Lagern.




Die Registerdrücker wurden gesäubert und poliert (rechts im Bild unrestauriert, links restauriert).




Die Führungen der Kombinationsdrücker sind von Motten zerfressen. Darum müssen sie neu befilzt werden.




Das Leder der Kombinationsdrücker musste aufgrund von Abnützung ebenfalls ersetzt werden. Hier schon die fertigen Drücker. Vorne am Gewinde des Drahtes kommen später wieder die hübschen weißen Knöpfe aus Celluloid hin. Sie werden gerade poliert.




Das Vorsatzbrett über den Tasten des I. Manuales ist stark abgegriffen. Die schwarze Politur fehlt an einigen Stellen. -Das ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass die Orgel auch häufig bespielt wurde. Nun aber werden alle polierten Teile wieder aufgefrischt und nachgeschwärzt.




Die Konsolen seitlich der Klaviaturen sind bereits fertig. Sie wurden mit Schelllack nachbehandelt. Im Hintergrund ist auch die nachgeschwärzte Vorsatzleiste zu erkennen.




Nun geht es an die Klaviaturen: An den Tastenenden befinden sich Stahlfedern, die mit Leder besetzt sind. Sie greift für die Tonauslösung in einen Kegeldraht ein. Das Leder war stark abgenützt (oben im Bild), weshalb es laute Klingelgeräusche beim Spielen gab. Mit Sämischleder wurden die Garnierungen neu gemacht (Bild unten).




Die Waagebalkenbohrungen an den Tasten (die mittlere Lagerbohrung) sind total ausgespielt und dadurch nicht mehr rund sondern oval. Das weiche Holz der Tastenkörper hat auf Dauer der Belastung mit den extrem schweren Tastengewichten nicht Stand gehalten. Nun wackeln die Tasten in alle Richtungen. Das kann so nicht bleiben, weshalb ...




... alle Tasten ein neu eingesetztes Lager aus hartem Weißbuchenholz bekommen. Dies ist insofern schwierig zu meistern, als die Bohrungen einst zusammen mit den Klaviaturrahmenbohrungen eingebracht wurden. Bei diesem Herstellungsvorgang sind die Tasten noch im Brett und nicht auseinandergeschnitten. Die Lagerbohrung im jetzigen Zustand wieder an die richtige Stelle zu bringen ist dementsprechend eine herbe Aufgabe. Sitzt sie falsch, würde das jeder Laie an den Tastenstellungen erkennen.




Durch die neue Lagerung unten und den neuen Garnierungen der oberen Bäckchen sowie der Korrektur der Vorderführungen liegen die Tasten nun endlich wieder sauber in den Klaviaturrahmen. Die seitlichen Klaviaturbacken wurden auch aufpoliert und nachgeschwärzt. So gibt das Ganze wieder ein apartes Bild ab, wodurch sich der bauzeitliche Zustand der Klaviaturen wieder recht gut erleben lässt.




Die Prospektpfeifen haben einiges durchlebt. Der Lack ist stark angegriffen. Einige Pfeifen haben tiefe Dellen. Diese müssen herausgeschoben werden. Da hierbei der Lack abplatzt, ist eine Neulackierung notwendig.




Damit sie über das Wochenende gut trocknen, wurden die Prospektpfeifen nach einem gründlichen Schliff, noch am Freitag grundiert und warten auf ihren Lacküberzug in der neuen Woche.





Woche 5



Nach einer schneereichen Anreise erreichen die Orgelbauer aus Bünzwangen ihren neuen Einsatzort, die evangelische Kirche in Glatten. Dort angekommen, wird zunächst einmal der Arbeitsplatz auf der Empore eingerichtet. Und dann geht es sofort ans Zerlegen der Orgel. Mit dem Spieltisch geht es los. Die geöffnete Rückwand zeigt das System der Orgel: Röhrenpneumatik.




Von oben her wird begonnen, den Spieltisch zu zerlegen. Hier die Registerdrücker.




An den Tasten kann man sehen, dass die Orgel wirklich dringend restauriert werden muss. Die Lagerungen der Tasten sind derart ausgeschlagen, dass eine richtige Berg- und Talbahn entstanden ist. -Ein Graus für jeden Organisten.




Unter den Tasten kommt der Staub des Jahrhunderts zum Vorschein.




Hier sieht man, wieso die Tasten so uneinheitlich waren: Die Filzlager auf dem Waagebalken sind teilweise richtiggehend durchgerieben.




So sehen die Tasten von der Seite gesehen aus.




Unter den Klaviaturen befinden sich allerhand verschiedene pneumatische Aggregate. Auch hier ein Bild der Zerstörung. Defekte Bälgchen, wo man nur hinschaut. Das Leder ist porös und löchrig, die Filzpolster wurden von Motten zerfressen.




Dieser Balg hier ist für die Kalkantenglocke da. Aufgrund eines riesigen Loches konnte die Glocke natürlich nicht mehr bimmeln, das ist klar.




Da die Pneumatik äußerst unzugänglich ist, wurde in der Vergangenheit immer nur notdürftig repariert. Hier sieht man zwei fremde Membranen anstelle der üblichen Bälgchen.




Stück für Stück wird der Spieltisch zerlegt. Hier sieht man, dass die Aggregate über Pappkondukten mit Wind versorgt werden.




Im Innern der Aggregate befinden sich Kegelventile. Erstmals seit der Erbauung dieser Orgel wurden die Kanzellen geöffnet. Etliches an Schmutz und Staub findet sich darin. Fatal, wenn der Schmutz unter die Dichtfläche gerät ... .




Fast alle Relais und Schaltungen wurden entfernt. Nur noch im Unterbau findet sich ein Pedalstock. ...




... hier ist er freigelegt und man erkennt gut die bauzeitliche Papierung, unter welcher sich die ...




... Kegelventile befinden. Auch hier besonders viel Schmutz und Abrieb von Filzen. Diese Stelle kann erst nach zwei Tagen Demontagearbeit erreicht werden. Umso penibler muss nun bei der Restaurierung vorgegangen werden.




Ein Riss zieht sich zwischen den Kegelventilen durch.




Hier wurde er bereits mit dünnem Spaltleder abgedichtet.




Das Spieltischschloss nach der Restaurierung: Der Dorn im Schlüsselloch fehlte und wurde nachgefertigt. Auf der heimischen Drehbank geht das gut. Anschließend wurde er wieder eingenietet. Der abgebrochene Schlüssel wurde in der Sakristei aufgefunden und anschließend wieder angeschweißt und nachgefeilt. Nach der Politur des Stulpes und einer behutsamen Ölung ist das Schloss wieder einsatzfähig.